Bericht im W-K – 19. März 2018

Mitreißendes Tanzsport-Spektakel

Timur Imametdinov und Nina Bezzubova tanzten hinreißend und konnten ihren Meistertitel des Vorjahres dennoch nicht erfolgreich verteidigen.

Timur Imametdinov und Nina Bezzubova tanzten hinreißend und konnten ihren Meistertitel des Vorjahres dennoch nicht erfolgreich verteidigen.

Die Halle kochte. Die Bremer Tanzsport-Fans hatten alles gegeben, um Timur Imametdinov und Nina Bezzubova am Sonnabendabend lautstark zum erneuten Meistertitel zu treiben. Die Spannung bis zur Ergebnisverkündung war kaum noch auszuhalten. Am Ende schließlich aber machte sich Enttäuschung breit: Das Bremer Grün-Gold-Paar musste ihren schärfsten Konkurrenten, Marius-Andrei Balan und Khrystyna Moshenska vom Schwarz-Weiß-Club Pforzheim, in diesem Jahr den Deutschen Meistertitel in der höchsten Latein-Klasse überlassen.

Während am Ende nach einer hoch emotionalen Meisterschaft Nina Bezzubova fluchtartig die Halle verließ, fasste ihr Partner Timur Imametdinov seine Gefühle nach der Niederlage zusammen: „Gegen so starke Gegner kann man schon verlieren“, meinte er, „aber in Bremen zu verlieren, das ist schon heftig. Das tut am meisten weh.“ Timur Imametdinov und Nina Bezzubova haben in Bremen eine neue Heimat gefunden, nur zu gerne hätten sie dementsprechend ihren Titel erfolgreich verteidigt. „Hier im Club hat man alles für uns getan, wir hätten uns gerne dafür mit einem Sieg bedankt“, fügte Timur Imametdinov hinzu.

Die Wertungsrichter aber hatten keine leichte Aufgabe an diesem Abend. Sechs starke Lateinpaare tanzten im Finale, und die Medaillenvergabe hing nur von wenigen Nuancen ab. Erstaunlich allerdings war es schon, dass Timur Imametdinov und Nina Bezzubova bei allen fünf Tänzen auf dem zweiten Platz gelegen haben. Auch wenn die Entscheidung für den ein oder anderen eng war, beeindruckten die Bremer mit ihren gefühlvollen und ausdrucksstarken Vorstellungen. Ein Sieg beispielsweise bei der Rumba wäre zweifelsfrei drin gewesen.

„Es hätte auch andersherum laufen können“, meinte Roberto Albanese, der in den vergangenen Wochen mit Timur Imametdinov und Nina Bezzubov hart für diese Meisterschaften trainiert hat, „das ist immer eine Sache der Prioritäten, die jeder Wertungsrichter für sich in Anspruch nimmt.“ Mit anderen Worten: Timur Imametdinov und Nina Bezzubova sind jederzeit in der Lage, den Deutschen Meister bei einem anderen Turnier auch schlagen zu können. Das sieht Horst Beer ähnlich. „Wir haben in Deutschland eine enorme Leistungsdichte bei den Lateinpaaren“, sagt der Bundestrainer aus Bremerhaven. „Jeder von ihnen könnte in einem anderen Land locker Meister sein.“ Dementsprechend gehe es absolut eng bei nationalen Wettkämpfen zu. Da hängt es eben auch manchmal von der Tagesform ab und Kleinigkeiten entscheiden über Gold und Silber. Insgesamt war Horst Beer sehr zufrieden mit dem, was er am Sonnabend in der Halle gesehen hat. „Unsere deutschen Top-Paare sind Dauergast in Grand-Slam-Finalen, das ist einfach Weltspitze.“

Die Weltklasse der Lateinpaare haben auch die Zuschauer am Sonnabend erkannt. Alle Finalisten wurden mit Standing Ovation gefeiert. Die Begeisterung für das Latein-Tanzspektakel war während des gesamten Turniers zu spüren. Auch das zweite Paar des Grün-Gold-Clubs im Finale, Zsolt Sándor Cseke und Malika Dzumaev, hat sich von der unermüdlichen Unterstützung des Bremer Publikums anstecken lassen und zeigte ein beeindruckendes Turnier. Dass die beiden Bronze verpassten und vierte wurden, nahm Malika Dzumaev gelassen. „2017 waren wir Fünfter, jetzt haben wir einen Platz aufgeholt, das ist großartig“, freute sie sich. „Wir werden geduldig weiter trainieren und irgendwann klappt es mit einer Medaille.“

Stolz war man auch auf die Leistung von Daniel Dingis und Natalia Velikina, die erstmals bei einer deutschen Meisterschaft den Sprung unter die Top Ten schafften und Neunte wurde. „Das ist super. Die beiden haben ein tolles Turnier getanzt“, meinte Trainerin Uta Albanese.

Für den Grün-Gold-Club war es eine ganz besondere Veranstaltung. Erstmals wurde eine deutsche S-Lateinmeisterschaft im Rahmen eines Formationsturniers ausgetragen. Jens Steinmann, Vorsitzender des Clubs, zeigte sich sehr zufrieden. „Wir hatten so viele Zuschauer wie nie zuvor, auch bereits am Nachmittag. Und die Stimmung war einzigartig.“ Der Sportwart des Deutschen Tanzsportverbandes, Michael Eichert, war auch begeistert. „Beide haben von einander profitiert.“ Ein Modell für die Zukunft? Dazu wollte sich niemand äußern. Es bleibt wohl eher eine Bremer Besonderheit.

Ergebnisse

Deutsche Meisterschaft S-Latein

1. Balan/Moshenska, SW Pforzheim

2. Imametdinov/Bezzubova, GGC Bremen

3. Balandin/Salita, TTC RW-Silber Bochum

4. Cseke/Dzumaev, GGC Bremen

5. Dumitrescu/Joos, SW Pforzheim

6. Ankerstein/Barbu, SW Pforzheim

Bundesliga Lateinformationen

1. Grün-Gold-Club Bremen 1-1-1-1-1-1-1

2. FG Bochum/Velbert 2-2-2-3-2-2-2

3. Blau-Weiss Buchholz 4-4-3-2-3-3-4

4. TSG Bremerhaven 3-3-4-4-4-4-3

5. TSG Backnang 5-5-5-5-5-5-5

6. 1. TC Ludwigsburg 8-7-6-6-6-6-6

7. TSC Walsorde 6-6-8-7-7-7-7

8. FG Rhein-Main 7-8-7-8-8-8-8