'Wir haben eine zukunftsfähige Lösung'

Interview Jens Steinmann im Weser-Kurier vom 15.12.2025

Herr Steinmann, für Sie als Vorsitzender des Grün-Gold-Clubs: Wie besonders ist es, dass nun der WM-Rekord geholt wurde?

Jens Steinmann ist seit 1997 1. Vorsitzender des Bremer Grün-Gold-Clubs. Foto: Weser Kurier

Jens Steinmann: Für mich persönlich ist es besonders, weil ich bei jedem der fünfzehn Titel Vorsitzender war. Jeder Titel war anders, und der von gestern war einer der ganz besonderen. Die Stimmung im Team, der Wille, etwas zu erreichen – das prägt nicht nur das Team, sondern den ganzen Verein. Jetzt geht es darum, das aufrechtzuerhalten und mit neuen Leuten weiterzuführen. Das ist meine Aufgabe für die nächsten Jahre.

Sie sprechen den Rücktritt des Trainertrios um Roberto und Uta Albanese sowie Sven Emmrich aus der Lateinformation ab Ende 2026 an. Gibt es denn schon eine Nachfolgelösung?

Im Februar werden wir beim Bundesligaturnier am 14. und 15. Februar eine Pressekonferenz führen und stellen den Plan vor. Es fehlen noch ein paar Gespräche, aber wir haben eine Lösung, die zukunftsfähig ist. Uta und Roberto werden auch so lange bleiben, bis wir genau die Richtigen gefunden haben.

Wie schwierig ist es denn, den Richtigen zu finden?

Es gibt ein generelles Problem im Sport: Es ist schwer, an finanzielle Mittel zu kommen, besonders für weniger medienwirksame Sportarten. Zudem gibt es zu wenige Trainer, die sich an Vereine binden. Viele Trainer machen es hauptberuflich, aber ohne Bindung fehlt der soziale Faktor. Zudem können externe Trainer das Familiäre natürlich nicht ersetzen.

Das liegt dem Klub ja sehr am Herzen.

Deswegen werden Uta und Roberto Albanese auch nicht den Klub komplett verlassen. Wir wollen keine Sportler oder Trainer, die nur wegen des Geldes kommen, so wie es häufig im Fußball der Fall ist.

Wo Sie gerade den Fußball ansprechen: In Bremen steht ja schon der SV Werder ziemlich im Fokus. Haben Sie manchmal das Gefühl, dass der Grün-Gold-Club nicht die Unterstützung von der Stadt erhält, die er verdient?

Ich habe das Gefühl, dass die Stadt Bremen wenig interessiert daran ist, Eliten hervorzubringen. Die Politik setzt eher auf das Allgemeinwohl, und das meine ich nicht böse. Häufig, wenn es um Aushängeschilder oder Hochleistungssportler geht, kommt das Argument, dass dafür kein Geld da sei. Das ist schade.

Sie haben auch neulich erst Spenden für die Nachwuchsteams gesammelt. Das hat einige erstaunt …

Das ist der gefährliche Trugschluss, der entsteht. Nur weil wir große Veranstaltungen wie neulich die Deutsche Meisterschaft in der ÖVB-Arena machen, heißt das nicht, dass wir Geld ohne Ende haben. Wir müssen mit den Veranstaltungen auch Geld verdienen, um die Kosten zu decken. Zudem wollen wir uns natürlich auch der Welt präsentieren, indem wir uns um die WM bemühen. Ich würde mir generell wünschen, dass die Ressourcen vielleicht anders verteilt werden und auch die nicht-olympischen Sportarten, die für Bremen ja deutlich mehr Erfolge bringen, gesehen werden.

Wie ist es denn insgesamt um den Tanzsport in Deutschland bestellt?

Es hat sich drastisch verändert. Es gibt viele internationale Turniere, aber das schwächt die nationale Struktur. Die Zahl der Paare sinkt, und es gibt weniger lokale Angebote. Trotzdem ist Bremen im Tanzsport weltweit bekannt. Das haben wir geschafft. Viele Trainer der WM-Teilnehmer waren bei uns im Verein, die kennen uns.

Sie sitzen nun auch seit dem Sommer im Präsidium des Welttanzsportverbands WDSF. Was würden Sie gerne verändern?

Ich stehe ja für den Lateintanz- und Standardtanzsport, und wir sehen, dass viele Mannschaften finanzielle Probleme haben, wenn sie nicht staatlich gefördert werden. Das ist ein Problem, welches wir angehen müssen, sonst ist die Sportart international gefährdet.

Das Gespräch führte Florent Comtesse.

Zur Person

Jens Steinmann (66)

ist seit 1997 Vorsitzender des Grün-Gold-Clubs. Unter ihm holte der Klub 15 Weltmeisterschaften mit der Lateinformation. Zudem ist Steinmann im Präsidium des Welttanzsportverbands WDSF.